Verein zur Pflege der Denkmäler und der lokalen Kultur
in Neustift am Walde und Salmannsdorf

Reisserkreuz
Agnesgasse

Der älteste Bildstock auf einem Seuchenfriedhof ist vermutlich das Reisserkreuz (auch die Schreibweise Reiserkreuz oder Reißerkreuz kommen vor). In den „Döblinger Museumsblättern“ beschreibt Walter Berger die „Bild- und Lichtstöcke des XIX. Wiener Gemeindebezirkes“. Er datiert die Aufstellung des Reisserkreuzes in das Jahr 1697, also in die gleiche Zeit, in der die Mariensäule errichtet worden war.
Das Reisserkreuz wurde dort aufgestellt, wo im sieveringer Seuchenfriedhof die Opfer der Pest von 1679 beigesetzt worden waren. Es steht am höchsten Punkt der Agnesgasse, dort, wo der Weg vom Dreimarkstein in die Agnesgasse mündet und liegt somit in der Katastralgemeinde Obersievering.
Dieses „Kreuz“ zeigt die Form des Bildstocks, der sich deutlich von der Form der alten Totenleuchte ableitet. Der breite, vierkantige Schaft trägt den „Tabernakel“, der auf drei Seiten offen und an den Seiten von zwei Balustersäulchen begrenzt ist. An der Innenseite der Rückwand, wo ursprünglich wohl das Totenlicht angebracht war, ist jetzt (1983) der farbige Druck eines Herz Jesu- und Herz Mariens- Bildes in Holzrahmen.
Das vierseitige Pyramidendach des „Tabernakels“ aus Ziegeln wird von einem schmiedeisernen Kreuz gekrönt, dessen kreuzförmige Mitte von Strahlen umgeben ist und die Buchstaben IHS zeigt.
Den Schaft schmückt ein modernes farbiges Mosaik der Gottesmutter mit Kind unter einem verzierten Schutzdach aus Blech. Das Mosaik wurde bei der Renovierung des Reisserkreuzes, 1968, von der Sängerin Rössl Madjan angebracht.
Die Bezeichnung „Reisserkreuz“ erklärt sich aus dem spröden Boden der Ried, welcher bei Trockenheit rissig wird.

Quellen:
Döbling, eine Heimatkunde, 1923
200 Jahre Neustifter Pfarre, 1983, Dr. Elisabeth Gamillscheg
Döblinger Museumsblätter, Mai 1973, Walter Berger
reisserkreuz
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