Verein zur Pflege der Denkmäler und der lokalen Kultur
in Neustift am Walde und Salmannsdorf

Flurnamen Neustift am Walde (und angrenzende Gebiete)
Ing. Hannes Trinkl

Die Ährengruben, liegt auf der Anhöhe zwischen Neustift und Sievering. Erstmals im Generalstadtplan von 1904 eingezeichnet. Der Name Ährengrube bezeichnet eine Flur, auf der Ähren (Getreide) gewachsen sind, zum Unterschied von den umliegeden ungeheuer grossen Weinbergen.
Alaungruben, diese Bezeichnung findet sich am Rande des grossen Dorotheerwaldes. In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts (19. Jhdt) gab es in Neustift eine Alaunfabrik, die ihre allerdings wenig ergiebigen Gruben im Dorotheerwald hatte.Ein Fabriksgebäude muß sich nach den Angaben des Pfarrgedenkbuches oberhalb der sogenannten „Waggonvilla“ am Sommerhaidenweg befunden haben. Der Unternehmer soll nach Angaben alter Neustifter ein Schneidermeister aus Hernals gewesen sein, der auf diese Weise sein ganzes nicht unbeträchtliches Vermögen los wurde. Die im Dorotheerwalde angelegten Alaungruben erwiesen sich als unergiebig, auch ein Versuch des Schneiders, in den Gruben, die heute noch zu erkennen sind, Kohle zu gewinnen scheiterte.
Baaderwiese, westlich des 306 Meter hohen Hackenberges. Besitzername.
Bergen, Zwischen Neustift und Sievering, nördlich des Hackenberges. Erstmals im Generalstadtplan von 1904 verzeichnet. Der Abhang oder Ausläufer eines höheren Berges wird oft Bergen genannt. Hier ist der Abhang des Hackenberges (Vergleiche Schafberg – Schafbergen). Diese Bezeichnung ist jetzt nicht mehr gebräuchlich.
Brennreich, nördlich der Baaderwiese. In Neustift verbrannte man im Herbst altes Geäst und Laub. Bräme lautet auch Brän, Bren, Brenn, usw. Heidebrennen.
Bründl, am Beginn der Mitterwurzergasse, in der Nähe der Einmündung in die Agnesgasse, befand sich ein Brunnen.
Dominikaner, die „Dominikaner“ nennt man einen schmalen Wiesenstreifen zwischen den Rieden Mitter- und Neubergen. Die gesamten Neustifter- und Salmannsdorfer Rieden waren sehr lange Besitzungen verschiedener Klöster. Auf diese Weise dürfte auch der Name zu erklären sein.
Fuhrgassl, Neben dem Haus 68 in Neustift führt ein schmaler Weg in das Rebengelände. Dort wo dieser Fußweg mit der von Sievering nach Salmannsdorf führenden Gasse - der Mitterwurzergasse - zusammentrifft, steht die Mariensäule.
Glatzing, war wahrscheinlich die älteste Siedlung in unserem Gebiet, da es sich hier um den einzigen echten Siedlungsnamen auf –ing im gesamten Gebiet des 18. Bezirkes (vor 1938) handelt. Das alte Glatzing lag am Fuße des Hackenberges. Im Generalstadtplan von 1904 findet sich noch die Bezeichnung Glatzing als Flurname eingezeichnet. Die Flur Glanzing auf der gegenüberliegenden Bachseite dürfte ihren Namen auf die alte Ortschaft Glatzing zurückleiten. Nach Ctyroky wird Glatzing erstmals 1290 erwähnt. Es ist daher möglich, dass Neustift erst nach dem Verschwinden Glatzings entstanden sei, wie vielfach angenommen wird. Wahrscheinlich baute man aber allmählich die neuen Häuser im oberen Krottenbachtal, da der alte Ort Glatzing sehr durch Überschwemmungen gefährdet gewesen sein dürfte.
Haarwald, erste Erwähnung im französischen Steuerkataster von 1819. Dieser Wald war bereits gerodet wurde, befand sich im westlichen Neustift. Ahd. hard bedeutet Sumpfwald. Die Bedutungseinengung von hard zu sumpfiger Wald beruht auf einer mündlichen Mitteilung von Prof. Kranzmayer.
Hackenberg, 306m. Nach Ludwig Rossa wäre der Hackenberg bereits 1355 urkundlich erwähnt. Leider zitiert Rossa seine Quelle nicht. Seinen Namen erhielt der Hackenberg nach den vielen Weinbergen (Der Hacken, der Hackermann, der Winzer. Kommt von hacken es Weinberges)
Haseleck, auch Haseneck genannt. Befindet sich dort wo die Neubergen auslaufen, bevor sich der Rücken gegen Sievering zu senkt. Die erste urkundliche Erwähnung dieser Ried stammt aus dem Jahre 1367: „vulgariter nunoupato Haselekke … in eodem 1000 dicto Haselekk“ Der Name Haseleck ist auf das ehemalige Vorkommen von Haselstauden zurückzuführen. Das Kreuz wird auch als „Windhaberkreuz“ nach dem Besitzer des angrenzende Weingarten bezeichnet Nach Wolfgang Westerhoff soll es sich auch um ein Cholerakreuz handeln
Hasensitz, dieser Flur stösst an ihrem oberen Ende an die Weingärten der Ried Sommerheiden. Die erste Schreibung des Namens findet man von 1744: „Von ein Viertel Tagwerch in Haassen Sitz genannt“. Der Name weist aus das frühere häufige Vorkommen von Hasen im Wienerwald hin.
Hauerweg, dieser kurze Weg im sogenannten „untern Ort“ hat seinen Namen nach den Weinhauern, die diesen Steig benützten. Hauerweg ist eine ortsübliche Bezeichnung.
Hofstätten. In Neustift am Walde wird mit diesem Namen aber auch das hinter den Höfen, zu ihnen gehörende Gelände bezeichnet.
Judel, Erste Erwähnung 1480: „…. Seinen Weingarten gelegen an der Neustift, genannt das Judel“ Das Judel lag südlich des Bründl und ist ein schmaler Teil der Hofstatt. Der Name deutet auf den Besitz eines Juden, sofern man Judel als Schreibfehler für Jüdel betrachtet (die Umlautstriche werden im mhd. sehr oft weggelassen).
Krotenbach, die früheste urkundliche Namensnennung findet sich schon 1330: „…. Der do leit ze Crotenbach“ . Der Name deutet auf eine ehemals krötenreiche Gegend.
Krueg, erste Erwähnung in den Quellen 1553: „… in Khrottenpach gelegen, genannt der Khrueg . Heute verklungener und nicht mehr genau zu lokalisierender Flurname.
Am Losakreuz, nennt man die Gegend um das heutige Gasthaus „Zum römischen Kaiser“. Im Pestjahr 1713 wurde hier das heute bereits verschwundene Kreuz, das nach Angaben Ortseinheimischer nach dem Errichter genannt worden war, aufgestellt. Das Pfarrgedenkbuch berichtet über diese Säule im Jahre 1850: „Auf der Anhöhe zwischen Neustift und Pötzleinsdorf befindet sich eine Säule, deren Nische die heil. Dreifaltigkeit ziert. Diese war ganz veraltet, die Säule verwahrlost. Der Hauer Georg Huber brachte durch Verwendung bei anderen Personen aus Eigenem so viel zusammen, daß die Bildhauerarbeit und die Säule zur Gänze renoviert werden konnte. Damit aber kein Unfug von seiten der bösen Wiener und von anderen besoffenen Leuten kein Schaden zugefügt werde, wurde die Nische mit Drahtgitter über das Glasfenster versehen.“
An der Mariensäule, heisst im Volksmund der Mittelteil der Mitterwurzergasse und auch ein Teil der angrenzender Rieden der Hofstatt und der Mitterbergen. Dieser Name ist somit eine kombinierte Bezeichnung.
Mitterbergen, die erste urkundliche finde sich 1367: sita auf der Neustift et vulgariter nuncupata in dem Mitterperg“ . Die gesamte nördich von Neustift gelegenen Rieden teilt man in drei grosse Gruppen: die Hofstatt, die Mitterbergen und die Neubergen. Von ihrer Lage zwischen der Hofstatt und den Neubergen, hat die weitgedehnte Ried Mitterbergen ihren Namen. Mitter- und Neubergen zusammen bilden die Ried Zierleiten.
Neubergen, Neu = frisch, glänzend, nicht abgenützt. Neubergen, ein neu gerodetes Stück Bergland, das dem Wein- oder Ackerbau zugeführt wird und liegt nördlich des Zierleitenweges.
Obern Ort, erste urkundliche Erwähnung 1749: „obern Orth. Mit „Obern Ort“ ist in Neustift der höher gelegenen (westliche) Teil des Dorfes gemeint. Heute nicht mehr gebräuchlich.
An der Öllerersäule, Öllern, Diese Säule steht an der Strehlgasse nahe der Krottenbachstraße. An der Sandleiten bei Glanzing gelegen. Die erste schriftliche Erwähnung findet sich 1687: „In Öllern“ Die Bezeichnung Ollern oder Öllern könnte aber auch ein Besitzername sein, da im 14. Jahrhundert die Herrn von Ollern nachzuweisen sind.
Opferkolben, die erste urkundliche Erwähnung 1396: „… in den Oplercholben pey der Newstift“ . Diese Bezeichnung ist nicht mehr gebräuchlich, die Riede ist in der Nähe der jetzigen Agnesgasse zu lokalisieren. Bei der Bevölkerung existiert keine Überlieferung über die Entstehung des Namens, daher ist die Deutung schwer. Es könnte sein, dass als Sühneopfer eine Kirche gestiftet worden ist. Opfer, ahd opfar, mhd. opfer, eine deutsche Bildung aus dem Zeitworte opfern, ahd. opfaron, mhd. opfern; aus dem lat. operari = opfern, Almosen spenden . Kolben, ahd. kolbo, mhd. kolbe; Kolbe, Keule als Waffe, Knüppel . – Die Schreibung Opferkolben ist zweifellos auf einen Schreibfehler zurückzuführen.
Ottingerwiese, Weide am Beginn der Sommerhaide von der Familie Ottinger
Ranzenprukher, verklungener Riedname aus den Mitterbergen. Besitzname.
Reissern, die Reissern liegen südlich des Haseleckes an der Agnesgasse gelegen. Reißern, danach auch „Reißerkreuz“. Die Sieveringer erklären den Namen aus dem spröden Boden der Ried, welcher bei Trockenheit rissig wird. Das Reißerkreuz, auf der Anhöhe der Agnesgasse, an der Abzweigung des Weges auf den Dreimarkstein, soll an der Stelle sein, wo die Toten des Pestjahres 1679 begraben liegen.
Beim römischen Kaiser, die Anhöhe zwischen Pötzleinsdorf und Neustift leitet ihren Namen von dem dort befindlichen Gasthaus her. Es verdankt seinen Namen wahrscheinlich Kaiser Josef II, der dort einmal eine Studentenkneipe besucht haben soll. Als der Besitzer der Wirtschaft übersiedelte, gab er auch seiner neuen Gaststätte den gewohnten und zugkräftigen Namen.
Saileräcker, südöstlich des Hackenberges gelegen. Erstmals im Generalstadtplan von 1904 eingezeichnet. Besitzname.
Scheiben, westlich der Saileräcker. Erste urkundliche Erwähnung 1376: „… weingarten ze Chlaitzin, haisst die Scheiben“. Der Name dürfte durch das früher hier üblich gewesene „Scheibenschlagen“ zu erklären sein. Brauch des Scheibenschlagens: Auf Scheibenbergen wurden am Scheibensonntag die Frühlingsfeuer abgebrannt, wobei brennende Holzscheiben (als Sinnbild der Sonne) fortgeschleudert wurden.
Schönaykorl, verklungener und nicht mehr lokalisierbarer Riedname. Erste Namensnennung im Gewährbuch von St. Dorothea 1435. Das „Schönayherl“ läßt auf einen früheren Besitzer, der Schönaicher hieß, schließen.
Sommerheide (heute Sommerhaidenweg), wird der nach Süden zu gelegene Abhang, der beim Ort Neustift zum Krottenbachtal abfällt, genannt. Für den Flurnamen Sommerheide wurde früher auch häufig die Bezeichnung (Neustifter) Hutweide gebraucht.
Sommerleiten, am Fusse des Hackenberges, nach Südosten zu gelegene und von der Sonne gut beschienene Leite. Die erste urkundliche Erwähnung findet sich 1370: „… an der Sumerleiten“ .
Sonnleiten, erste urkundliche Erwähnung 1396: „… Sunnleiten ze Chlaiczing“. Liegt südwestlich von Glanzing, ist also gewissermassen die Fortsetzung der Sommerheide.
Trolisch, auch Troleisch genannt, war jene Ried in der Hofstatt, über die der Trolischbrunnen zu Tal floss. Wahrscheinlich handelt es sich um einen Besitznamen. Das Trolischbacherl bildet die Grenze von Neustift am Walde zu Salmannsdorf
Überländ, erste schriftliche Namensnennung 1744: „Überländ in Hoffstätten“ . Liegt östlich der Mariensäule in der Hofstatt. Überländ waren wie aus den Grundbüchern hervorgeht, Grundstücke, die frei verkauft werden duften, im Gegensatz zu den gewöhnlichen Besitzungen, die vererbt werden mussten.
Untern Ort, erste urkundliche Erwähnung 1749:… an untern Orth“. So wurde, wie aus Grunbüchern hervorgeht, der östliche (tiefergelegene) Teil von Neustift bezeichnet.
Wachsgiesser, die Lage dieses verklungene Riedname ist leider unbekannt. Erste Erwähnung 1435 im Gewährbuch von St. Dorothea über Neustift. Der Name leitet sich vom Beruf des einstigen Besitzers dieses Grundstückes her.
Bei der Waggonvilla, soll nach Angaben Ortseinheimischer die Gegend an der Sommerheide im Bereich des Michaelerwaldweges geheißen haben, weil dort einmal zwei Eisenbahnwagen, die zum Wohnen benützt wurden, gestanden sind. Der Besitzer habe in Wien keine Wohnung gefunden und war daher auf die Idee gekommen, sich auf diese Weise eine Unterkunft zu verschaffen.
Waldlucken, erste Erwähnung im Grundbuch von St. Dorothea, zwischen Dreimarkstein und Dorotheerwald befand sich eine Lücke im Forst, daher der Name.
Winterleiten, erste urkundliche Erwähnung 1396: „Das perchrecht an der Winterleiten ze Chlaiczing“ (Qu. G. St. W. I 2 Nr. 1735). Gegenüber der Sonnleiten. Winterleiten ist die nach der Schatten- (Winter-) seite, also nach Norden zu gelegene Leite, im Gegensatz zur Sommerleite. Die Namen Winter- und Sommerleiten kommen sehr häufig vor.
Wolfsgrube, in der Nähe der Ährengruben befand sich eine Grube zum Wolsfang. Hier machten sich im 15. Jahrhundert Wölfe unangenehm bemerkbar, als sie die Kirchgänger, die bis Sievering gehen mussten, bedrohten.

Quellnachweis:
1. Dissertation Dr. Walter Herrmann,1958 „Die Flurnamen des 18. Wiener Gemeindebezirks“
  • Archiv der Stadt Wien,
    • „Quellen zur Geschichte der Stadt Wien“,
      Grundbücher
  • Urkunden der ehemaligen Grundherrschaften (Stifte, Pfarren)
  • Ortnamenbuch Niederösterreich von Dr. Weigl
  • Hauptkatalog des bayrisch-österreichischen Wörterbuches
  • Materialsammlung des Heimatforschers Dr. Malecek
  • Pläne
  • Gewährsleute
2. Währinger und Döblinger Heimatbuch
3. Schilderungen bei
DENK*MAL-Stammtischen
TRINKL/22.01.2016

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