Verein zur Pflege der Denkmäler und der lokalen Kultur
in Neustift am Walde und Salmannsdorf

Die Anfänge des Wintersports in unseren Bergen
Ing. Hannes Trinkl

Sport im Allgemeinen und Wintersport im Speziellen war in Salmannsdorf und Neustift am Walde vor dem 20. Jahrhundert bestimmt kein Thema. Die Arbeit in den Weinbergen und Wäldern sowie mit den Haustieren füllte die Tage aus. Außerdem war die Arbeit so schwer, dass für die Einheimischen an sportliche Tätigkeiten, wie wir sie heute kennen, sicher nicht zu denken war.
Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam mit der Gründung von „Ski- und Schneeschuhvereinen“ der Städter und der Ansiedlung von Bürgern in neu erbauten Villen so etwas wie Freizeitgestaltung in unserer Gegend auf.
Zu dieser Zeit begannen die winterlichen Aktivitäten auf den Abhängen des Wienerwaldes und natürlich auch auf den Wiesen und Wegen des Neuberges und des Michaelerwaldes. Spätestens mit der Eröffnung zahlreicher Ausflugsgasthäuser im Wienerwald in den 1920er Jahren waren die Wiesen an schönen Winterwochenenden mit skifahrenden und rodelnden Wienern voll ausgelastet.
Bereits im Jänner 1923 hielt Lehrer Emmerich Rutte den ersten Schulskikurs der Volksschule Celtesgasse ab. Auch in den darauf folgenden Jahren fanden immer wieder Skikurse auf den Wiesen gegenüber der Volksschule statt, für die Lehrer Rutte sogar eine Belobigung vom Stadtschulrat erhielt.
Natürlich verlockten die schneebedeckten Hänge rund um Neustift am Walde und Salmannsdorf die Buben und Mädchen sich beim Heimweg von der Schule auszutoben. So konnte es schon vorkommen, dass die Schultaschen das eine oder andere Mal zum Rodeln benutzt wurden. 1895 veranstaltete der „Österreichische Ski-Verein“ eine Vereinsmeisterschaft und, angespornt durch den großen Erfolg dieses Meetings, bereitete man für 1896 eine internationale Veranstaltung vor.
Im Jänner 1896 sollten Norweger und Österreicher ihre Kräfte messen. Für den ersten Tag wurde ein Rennen über eine Strecke von 3.000 m angesetzt sowie eine Sprungkonkurrenz, bei der 3 Sprünge erlaubt waren.
Der zweite Tag sollte den Höhepunkt bringen: das "Österreichische Ski-Derby" über eine Distanz von über 14 km. Der Weg führte von Pötzleinsdorf über Salmannsdorf und das Hameau nach Weidling am Bach und über den Hermannskogel, den Dreimarkstein, die Waldandacht wieder zurück nach Pötzleinsdorf - einige Male bergauf und ebenso viele Male in die Tiefe.
Natürlich gab es für die Mädchen und Buben unserer Dörfer eine Vielzahl von Örtlichkeiten zur sportlichen Betätigung, so die lange Skiabfahrt vom Michaelerwald, von der Wiese des heutigen Friedhofs, etwa dort wo sich die zweite Aufbahrungshalle befindet. Man überquerte den Sommerhaidenweg und weiter ging es über das Zwetschkenwaldl, wo eine Sprungschanze den Nervenkitzel noch erhöhte, über die heutige Peter Altenberggasse. Nun fuhr man wieder bergab dem Ludwig-Gruber-Weg folgend zum krönenden Abschluss, der Alteisenwiese, wo heute das Wohnhaus Neustift am Walde 103 steht.
Alteisenwiese hieß dieser Steilabhang, weil in einem kleinen Waldl auf der Seite zum heutigen Ludwig-Gruber-Weg Alteisen „entsorgt“ wurde - eine wahre Fundgrube für alte Reindln, Weidlinge und ähnliche Untersätze, mit dem die Schüler am Nachhauseweg den Abhang hinunterfuhren - wenn sie nicht gerade ihre Schultasche benutzten.
Eine Variante der Abfahrt vom Michaelerwald ging etwa dort, wo sich heute die Pötzleinsdorfer Höhe befindet, vorbei an der Aufbahrungshalle, dann auf die Ottingerwiese und entweder links oder rechts am „alten Friedhof“ vorbei bis zur Nussallee.
Eine steile Skiwiese war die „Bockwiese“ neben der Turmvilla auf der Zierleiten. Die Abfahrt ging dann weiter über die Zierleiten durch die Weingärten bis nach Neustift am Walde hinunter. Beliebt war und ist heute noch die Wiese unterhalb der Gaststätte Häuserl am Roan, nicht nur wegen ihrer Weitläufigkeit sondern vor allem auch deshalb, weil man sich hier von den Strapazen stärken konnte.
In früheren Jahren, als es kaum noch Autos gab, waren der Zierleitenweg und weiter die Dreimarksteingasse bis hinunter zur Salmannsdorfer Straße eine beliebte Rodel- und sogar Bobstrecke. Den Abschnitt Dreimarksteingasse nannten die Könner den „Schuss“.
Eine weitere Bob- und Rodelbahn gab es von der Mitterwurzer Gasse durch das Fuhrgassl bis nach Neustift am Walde hinunter. Beliebt und gleichzeitig gefürchtet war diese Strecke, da sie auf Grund der noch offen fließenden Quellwässer zur Gänze vereist war.
Bobgefahren ist man auch auf der sogenannten Bibitzwiese hinter dem „Rath in der Gruam“. Dafür haben - so erzählt man - Buben beim Waringer eine Werbetafel von „Hammerbrot“ abmontiert und sind damit über die Wiese hinuntergefahren, so wild, dass sie einen jungen Baum damit „geköpft“ haben.

Beim Häuserl am Roan, Dezember 1939

Häuserl am Roan

Quelle:
DENK*MAL-Stammtische, Hannes Trinkl

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